Die Geschichte der Nellingen Barracks

 

Das Gelände der Kaserne befand sich ca. 12 Km südöstlich von Stuttgart (Baden-Württemberg, Deutschland), auf den Fildern. Genauer gesagt in Ostfildern. Umgeben von den bestehenden Ortsteilen Nellingen, Ruit, Parksiedlung, Scharnhausen und Kemnat.

www.ostfildern.de

 


In den Jahren bis 1932 war das Gelände der Nellinger Kaserne im Besitz des Königlichen Hauses Württemberg. Es wurde bis dahin als Privatgestüt genutzt. König Wilhelm der 1. hatte bereits als Kronprinz seine Liebe zu dieser herrlichen Landschaft entdeckt.

Nach der Aufgabe des ehemals Königlichen Privatgestüts im Jahr 1932 sollte das Areal für den neuen Landesverkehrsflughafen genutzt werden. Im Herbst 1933 wurde mit der Erweiterung des Geländes begonnen. 1936 stellten Experten jedoch fest, dass das Grundstück den modernen Anforderungen nicht genügte. Man disponierte kurzerhand um und baute den Landesflughafen auf den Gemarkungen Echterdingen- Bernhausen. Das ist Heute der Stuttgarter Flughafen. Home


Nach dem Scheitern des Projekts " Landesverkehrflughafen " Nellingen errichtete das Reichsluftfahrtministerium ab dem Jahr 1937 einen Fliegerhorst auf dem Gelände. Es umfasste nun eine Fläche von 140 Hektar. Das nach Süden hin abfallende und teilweise hügelige Terrain wurde gerodet, eingeebnet, aufgeschüttet und eingesät. Die Starts und Landungen der Flugzeuge sollten auf einer kreisrunden Fläche stattfinden. Ab 1937 erbaute man die Gebäude des Fliegerhorstes im " Heimatschutzstil " mit Fachwerk. Hier war die Kommandantur untergebracht. Der Nellinger Fliegerhorst als Militärflugplatz wurde offiziell am 01.10.1938 in Betrieb genommen. Für die technischen Arbeiten des Fliegerhorstes wurden fünf große, funktionale Flugzeughallen gebaut. Die Belegungsstärke betrug im Jahr 1944 ca. 1000 Mann. Stationiert waren hier, unter dem Wehrbereichskommando 5, eine Flugzeugführerschule, eine Fliegerhorstkompanie, ein Werftzug und eine Transport Begleitkompanie.

Text/Bild Quelle: www.stadtarchiv.ostfildern.de


Nellingen Fliegerhorst 1941

 

Neben einem kleinen Verpflegungslehrstab lag noch die 1942 gegründete Transport-Begleitkompanie 2/VII auf dem Fliegerhorst Nellingen.
Im September 1944 umfasste die Einheit 174 Mann. Die Kompanie war "zur besonderen Verwendung" direkt dem Berliner Oberkommando der Luftwaffe unterstellt. Dieser Sonderstatus drückte sich auch darin aus, dass die Einheit in Barracken außerhalb des eingezäunten Flugplatzgeländes untergebracht war. Zentrale Aufgabe der Kompanie war es, V1- und V2-Raketen zu ihren Einsatzorten zu begleiten und das Funktionieren des Kriegsgeräts zu gewährleisten. Die Kompanie kümmerte sich etwa um Sprengstoffe, Pressluft oder auch um die Abschussrampen, die in der Maschinenfabrik Esslingen gebaut wurden und auf dem Nellinger Fliegerhorst lagerten. Ständig waren Teile der Transport-Begleitkompanie in geheimer Mission unterwegs. Die auf Dauer stationierten Einheiten hatten auf dem Fliegerhorst Nellingen ein relativ geruhsames Leben. Man trat jeden Morgen an, einer sagte einen Sinnspruch auf und alle machte sich an die tägliche Arbeit. Abends konnten sich auch die Zivilisten im Segelflug üben. Während andere an der Front um ihr Leben kämpften, bastelte man auf unserem Fliegerhorst: Nach einer Anordnung im Herbst 1941, Spielzeug als Weihnachtsgeschenke für die Kinder der Soldaten herzustellen, wurde zwei Monate lang gewerkelt. Die Ergebnisse der Bastelarbeit präsentierte man in einer Ausstellung in der Kantine des Fliegerhorstes.

Jedes Kind bekam anschließend ein Spielzeug geschenkt und die engagiertesten Bastler unter den Soldaten durften fünf Tage in Sonderurlaub. Man saß, so erinnert sich ein Soldat, "auf Nummer sicher " in Nellingen.Wenn ein neues Geschwader einschwebte und auf der von Südost nach Nordwest verlaufenden Rollbahn aufsetzte, kam Abwechslung in den Fliegerhorst. Dann musste die Stammbelegung die Unterkünfte in der Kommandantur für die Gäste räumen und einstweilen in die dahinterliegenden Barracken einziehen. Nach dem Polenfeldzug im September 1939 wurde das zweite Zerstörergeschwader ZG 76 mit ihren Messerschmitt Bf 110 C nach Nellingen verlegt. Die durch ein Geschwader
Me 210 verstärkte Bombergruppe blieb bis zum Ende des Frankreichfeldzuges. Im Frühjahr 1940 gesellte sich noch die zuvor in Echterdingen stationierte Gruppe des Kampfgeschwaders 26 ("Löwengeschwader") dazu, um von Nellingen aus Kampfeinsätze in Frankreich zu fliegen.
Dort beschädigte Maschinen landeten auf dem Nellinger Flugplatz, um repariert zu werden. Im Gegenzug wurden Teile des Fliegerhorsts nach Frankreich verlegt. Eine Attraktion für die Bevölkerung der umliegenden Ortschaften bildete die zeitweilige Anwesenheit des sogenannten "Haifisch-Geschwaders" mit seinen auf den Bug der Me 110 aufgemalten Haifisch-Zähnen.

Im Jahr 1943 stellte man eine neue Einheit zusammen, die einem Nachtjagdgeschwader zugeteilt war. Die Einsätze flog man freilich vom nachtflugtauglichen Flughafen Echterdingen aus. Nachdem der dortige Verkehrsflughafen im August 1944 schwer beschädigt und auch der Flugplatz Böblingen im Dezember 1944 bombardiert worden war, verlagerten sich die Aktivitäten der Luftwaffe mehr auf umliegende Einsatzorte wie etwa Nellingen, wo sich nun immer wieder Teile des Nachtjagd-Geschwaders 6 aufhielten. Im Februar 1945 waren Teile der IV. Gruppe des Jagdgeschwaders 53 auf dem Fliegerhorst Nellingen stationiert. Dieses sogenannte "Pik-As-Geschwader" war schon Ende 1944 auf Flugplätzen um Stuttgart registriert worden. Das Jagdgeschwader 53 zog sich in den letzten Kriegswochen nach Oberschwaben zurück und löst sich schließlich in der Gegend Landsberg-Schongau auf. Auch die letzten Anstrengungen im Luftkampf hatten nichts genützt: Der Krieg war verloren. Man räumte das Feld jedoch nicht, ohne zuvor auf einem Teil des Geländes Sprengsätze gezündet zu haben. Die Erdtrichter sollten die Landung der Alliierten erschweren.



Mannschaftsgebäude 1951
Bild Quelle: usarmygermany.com

 


Hubschrauber Hangar 1955
Bild Quelle: Richard Johnson


Nachkriegsdeutschland

Als die einmaschierten französischen Truppen Ende April 1945 die Zuständigkeit an die US Army übergaben (Raum Stuttgart, Esslingen u. Fildern) kehrte schnell Ordnung ins tägliche Leben der Zivilbevölkerung ein.
Die Menschen die vom langen Krieg gebeutelt waren, an Hunger und Not litten auch durch die langen strengen Winter, waren sehr erleichtert als die US Truppen einzogen. Sofort gab es zahlreiche Hilfsprogramme wie
z.B. Schulspeisungen, Versorgung an Brennmaterial, Abriss und Wiederaufbau einzelner Gebäude und demokratische Ämter wurden vergeben. Das kulturelle Leben kam auch wieder in Schwung z.B. durch Musikveranstaltungen. Einige der in Nellingen stationierten Pioniereinheiten halfen auch beim Bau von Sportplätzen, Sporthallen sowie weitere Anlagen. Die Soldaten spendeten und organisierten Geschenke an die ortsansässigen Kinder. Hauptsächlich zur Weihnachtszeit.

Die US-Army war einfach locker drauf. Ohne die Hilfe der Soldaten hätte es die Bevölkerung äußerst schwer gehabt in den Nachkriegswirren vernünftig über den Tag zu kommen. Das öffentliche Leben ging voran, Geschäfte und Märkte wurden eröffnet. Auch der Schulbetrieb startete wieder und Arbeitsplätze wurden geschaffen. Viele werden nie vergessen, was die US Amerikaner speziell in den ersten Jahren nach dem Krieg für uns getan hat.

 

Fliegerhorst im Juni 1945

Nellingen Army Technical Air Field overview 1946 / Luftaufnahme Nellingen Fliegerhorst 1946

Im August 1945 wurde der Flugplatz von den Amerikanern beschlagnahmt. Im Jahr 1947 auch der Flugplatz mit allem sich darauf befindenden Gebäuden. Als die US Army sich entschied doch länger in Nellingen zu bleiben, ließ sich die MP Schule der Army für Europa in den Fliegerhorstgebäuden nieder.

Im August 1945 besetzten die amerikanischen Truppen das Flug­platz­gelände.

Die Gemeinden mussten nun Arbeitskräfte für Aufräumungs­arbeiten zur Verfügung stellen. Ihr Lohn wurde später vom Land-ratsamt beglichen. Der Flugplatz diente der US Army zunächst als "storage field", als Lager­platz vor allem für ausgediente Lasten­segler. Viele Bürger waren über diese Alt­materialsammlung nicht unglücklich, denn es gelang doch immer wieder, sich Gegenstände zu "organisieren".

Kinder bauten sich Seifenkisten mit den Rädern der Lastensegler.

In Scharnhausen zum Beispiel verwendete man eine Flugzeugsitzbank als Gartenbank für Kinder. Manche Erwachsene betrach­teten die Flug­zeuge als Bau­mate­rial.

 In Nellingen kann man heute noch einen Gar­tenzaun bewundern, dessen Pfosten früher als Streben zur Verbindung der Tragflä­chen mit dem Flugzeugrumpf gedient hat­ten. Die Lastensegler blieben lange lie­gen. Noch im April 1947 be­schwerte sich die Landwirtschaftliche Hochschule Ho­henheim bei der Hofkammer des Hauses Württemberg, dass die ameri­kanische Be­sat­zungsmacht fünf Hektar des von ihr gepachteten Weidegeländes "diesseits des frühe­ren Fluggelände­zaunes mit Hun­derten von La­stenseglern und alten Flugzeugen voll­gestellt hat und dieselben zum Teil ange­zün­det hat, sodass die Trümmerstücke auf der ganzen Weide herum­lie­gen.

Erst im Februar 1950 entfernte man die auf den nord­west­lichen Koppeln abgestellten Lastenseg­ler.

 

Gliders / Lastensegler Sommer 1945

An Weihnachten 1947 lud der damalige Amerikanische Captain die Nellinger Kinder in den ehemaligen Fliegerhorst ein und bewirtete sie mit einem Festmahl.


Heilig Abend beim Captain 1947


Nellingen Barracks Weihnachten 1956

 

 

Die US Army hat sich nach dem Krieg unter anderem sehr um das Wohl der Kinder,aus der nahen Umgebung gekümmert.
Die Army organisierte ab 1946 Albausflüge z.B. zum Hohenstaufen und führte Schulspeisungen in den Grundschulen ein.
In den unten gezeigten Bildern ist der Singkreis Ruit 1946 zu sehen.

 


Albausflug 1946


Hohenstaufen 1946


Albausflug 1946

Der Flugplatz diente sofort auch als Getreidefeld für die US Army und die deutsche Zivilbevölkerung wegen Nahrungsmittelnot. Auf "Befehl" mussten und konnten die Bauern die Felder bewirtschaften, so dass im Dezember 1945 die Gemeinde Nellingen 1600 kg Weißmehl verkaufen konnte. Bis November 1951 konnten die Bauern die Felder bestellen. Anschließend wurde ihnen ihr Land, wegen des geplanten Neubau der Nellinger Kaserne enteignet.
Im Juli 1951 wurde das 7th US Corps reaktiviert unter diesem auch Nellingen stand. Der Nellinger Gemeinderat war schwer erbost vom Vorhaben der Besatzungsmacht, eine Kaserne zu errichten.
Diese hatten jedoch keine Chance sich dagegen zu stellen.
Im Oktober 1951 stand in den Zeitungen für alle zu lesen: Auf dem Flugplatzgelände bei Nellingen werden in den nächsten Tagen 40 Kasernenbauten aus dem Boden wachsen. Deutsche Bauunternehmer sollen den Auftrag innerhalb von 3 Monaten ausführen. Es handelt sich um 2-geschossige einfache Bauten. Man spricht davon das die Zahl der Bauten in absehbarer Zeit verdoppelt werden soll. In Windeseile wurden die Gebäude von den 100 beauftragten Bauunternehmen, der US Army, errichtet. Ein Besatzungsbau musste in 180 Tagen erstellt sein. Danach wurden auch noch Freizeitstätten und Verwaltungsgebäude gebaut. Ab Frühjahr 1951 wurde damit begonnen die Nellingen Barracks zu errichten auch die Mannschaftsgebäude, Motorpools und Hubschrauberhangars. Als die US Army ihre Streitkräfte aus Österreich abzogen, wurden 2 US-Battalione in die neue Nellinger Kaserne verlegt.

Text/Bild Quelle: www.stadtarchiv.ostfildern.de


Bild Quelle: Installation Map 649th Engr. Bn. 1978

  1. Main Gate (Hauptor)

B.     Backgate (Nordtor)

C.     Housing Area
(Geb. Nr. 3800-3821)

D.     Motorpools
(LKW/Reparaturhallen)
(Geb. Nr. 3707-3729)

E.      Mannschaftsgebäude
(Geb. Nr. 3600-3699)

F.      Generalsgebäude u.
Military Hospital

(Geb. Nr. 3506-3507)

G.     Hubschrauber-
Hangars (4)

(Geb. Nr. 3522-3526)

H.     Airfield


Die sogenannte Housing Area, wo Unteroffiziere und Offiziere mit Ihren Familien wohnten, wurde in den Jahren 1952 und 1954 erbaut, da die US Army erkannte doch länger in good old Germany zu bleiben. 1957 wurde noch die Elementary School eingeweiht. Somit hatte die Army die Bebauung der Kaserne abgeschlossen. Große wirtschaftliche und sittliche Gefahren befürchteten die Randgemeinden der Kaserne bei dessen Bau. Bald jedoch traten vor allem der Hubschrauberlärm und die Emissionen des Heizwerks als Störfaktor in den Vordergrund.

 

Gefahr drohte ebenfalls aus der Luft. Dies wurde den Bürgern deut­lich, als im De­zember 1967 ein in den Nellingen Barracks statio­nierter Hubschrauber auf Scharn­hauser Gemarkung notlanden musste. Nicht auszudenken, was hätte geschehen kön­nen, wenn der Hubschrau­ber über bewohntem Gebiet abgestürzt wäre. Plastisch führte ein Beinahe-Unglück im Jahr 1970 diese Gefahr vor Augen: Direkt neben einer Gruppe von Kindern, die im katholischen Kindergarten der Park­siedlung spielten, bohrte sich die Notausstiegstür eines Hub­schraubers in die Erde. Ein in 50 Meter Höhe fliegender Helikopter der Nellingen Barracks hatte sie verloren. Verletzt wurde niemand. Die Amerikaner hatten bis zu diesem Zeitpunkt immer abgestritten, überhaupt Flüge über die Parksiedlung zu unternehmen.

 

Daneben aber entwickelten sich rasch freundschaftliche Beziehungen zwischen der deutschen Bevölkerung und den US Truppen.

 

Die Kommunalpolitiker waren nun auch oft eingeladen, wenn es in den Nellingen Barracks etwas zu feiern gab. Als beispielweise das 168. Pionierbataillon im Jahr 1957 auf dem Kasernengelände einen Geburtstag beging, war Nellingens Bürger­mei­ster Kirchner als Gast zugegen. Die Besatzungsmacht versuchte immer mehr, sich den deutschen Nachbarn zu öffnen. Beim "Quaterly German/Ameri­can Council Din­ner" in den Nellingen Barracks im März 1972 hob der scheidende Kommandant Colo­nel Curtis L. Willett jr. vor den ver­sammelten Bürgermeistern der Kasernenrandge­meinden hervor, dass "eine hervorragende bei­spielhafte Zusammenarbeit mit der deut­schen Be­völkerung erreicht" sei. Ein Jahr später forcierte General Anthony F. Das­kevich als Kommandant von Nellingen Barracks die deutsch-amerikanische Freund­schaft erneut. Zukünftig sollten die neu stationierten amerikanischen Soldaten Kurse absolvieren, um die deutschen Sitten und Gebräuche kennen zu lernen. Kontakte zu Deutschland sollten auf allen Ebenen geknüpft werden. Als positiv für die Beziehun­gen bezeichnete der General die immer besseren Englischkenntnisse der jungen Deut­schen. Im Juni 1987 bekannte der scheidende Brigadegeneral John P. Dreska: "Dass wir uns zu Haus fühlten, war für uns sehr wichtig". Dieses Gefühl zu vermit­teln, war das Anliegen der selbständigen Gemeinden der östlichen Filder vor der Gemeindereform und auch das Bestreben der Stadt Ostfildern nach 1975.

 

In den 60er Jahren erwarben sich die Soldaten der Nellingen Bar­racks durch Hilfsak­tionen viele Sympathien in der deutschen Be­völkerung.

Im April 1964 rettete eine in Nellingen stationierte Hubschrauberbesatzung vier Stuttgarter Feuerwehrleute in spekta­kulärer Weise vor dem Ertrinken im Hochwasser des Neckars. Die Besatzung wurde für ihren mutigen Einsatz vom Esslinger Landrat mit der Ehrenurkunde des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. In den folgenden Jahren festigte sich die Zusammenar­beit zwischen den ameri­kanischen Soldaten und den deutschen Hilfsorganisationen. So wurde etwa die Freiwillige Feuerwehr Ostfildern für den Katastrophen­fall in der Bergung eines Hubschraubers geschult.

"Die Amis haben viel Gutes getan", erinnert man sich und denkt dabei auch an die Hilfen der stationierten Pionierbataillone bei di­versen Häuserabbrüchen und Erdaushüben. Ohne die Hilfe der Ameri­kaner wäre der Bau der Ruiter Auferstehungskirche 1962 oder der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in der Parksiedlung 1968 nicht so billig und schnell erfolgt.

 

Die eigentlichen Höhepunkte der deutsch-amerikanischen Kontakte bildeten die vielen deutsch-amerikanischen Freundschaftsfeste, die seit dem Jahr 1964 regelmäßig im Mai eines jeden Jahres auf dem Gelände der Nellingen Barracks statt­fanden, nachdem sie die Jahre zuvor zentral in Stuttgart gefeiert worden waren. Da gab es mili­tärische und sportliche Vorführungen aller Art zu bestaunen, Musikvereine und Militärkapellen spielten auf, man konnte sich auf einem Rummel­platz vergnügen, Theater­vor­stellungen ansehen, Kuli­narisches genießen, Rodeo reiten und bis spät in die Nacht hinein tanzen. Für die deutsche Bevölkerung wie für die ameri­kanischen Soldaten war die Deutsch-amerikani­sche Freundschaftswoche in den Nel­lingen Barracks bald ein fester Be­stand­teil im Jahres­lauf, ein Volksfest, auf das man sich immer wieder freute. 1990 hatte sich die Freund­schaftswoche zum bun­des­weit zweitgrößtem Fest seiner Art entwickelt.

 

Die Soldaten liebten schon immer unser Bier, Schnitzel und Sauerkraut sowie die Gasthäuser. Zeitweise befanden sich z.B. im Jahr 1977, 5000 Bewohner in der Nellinger Kaserne. Die nächsten drei Fotos zeigen einige von vielen Gaststuben ab den frühen 50er Jahren, die von den US-Soldaten gerne besucht wurden. Home

 


Gasthaus Hirsch Scharnhausen


Gasthaus Wiesental 1950


LaPaloma,Nellingen. Gegenüber Haupttor Kaserne

 

Deutsch-Amerikanische Freundschaftswoche,
ab 1964. Bild aus den 70er Jahren
Bild Quelle:Thomas Weller, Ostfildern



Main Gate 1955
Bild Quelle: Richard Johnson


Main Gate 1988
Bild Quelle: Marsha Crabtree


Der Fall der deutschen Mauer am 9. November 1989 und der damit eingeleitete Bei­tritt der DDR zur Bundesrepublik stellten wesentli­che Gründe der Anwesenheit der US Army in Frage. Das amerikanische Pentagon reagierte sehr schnell und verhängte be­reits im Januar 1990 einen Baustop für die US-Kasernen in Deutschland. Dies kam auch für die Nellinger Stationierungstruppen völlig überraschend, denn sie hatten bis zu diesem Zeitpunkt noch kräftig in die Re­novierung der Kasernengebäude investiert. Die militäri­schen Über­legungen der Vereinigten Staaten wurden durch fi­nanz­politische Aspekte unterstrichen, denn die Stationierung kostete den US-Haus­halt enorme Summen. Allein für ihre Soldaten in Süddeutschland überwies das ameri­kanische Verteidigungs­ministerium zuletzt Monat für Monat 231 Millionen US-Dollar. Angesichts des großen Haushaltsdefizits der USA verwunderte es nicht, dass die ame­rikanische Regierung be­reits im März 1990 erwog, das VII. US-Corps aus Deutsch­land ab­zuziehen. Bei einem Erfolg der Wiener Abrüstungs­verhandlungen sollten 30.000 Amerikaner aus der Region Stuttgart ihre Koffer packen.

 

Im Juni 1991 gab das Bundesverteidigungs­mini­sterium schließlich bekannt, dass die Bundeswehr doch keinen Anschlussbedarf an die Nellingen Barracks geltend machen würde.

 

In den Nellingen Barracks wusste man lange Zeit nicht, wie es um die Zu­kunft der US-Kaserne bestellt sein würde. General Robert P. McFarlin besaß 1990 noch keine Kenntnis davon, ob und in welchem Umfang die in Nellingen stationierten Soldaten redu­ziert werden sollten. Die Stimmung war im Vorfeld der im Mai stattfindenden deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche aller­dings getrübt: "Keiner weiß, wohin die Reise mit den Barracks geht", hörte man aus der Kaserne.

 

Im Oktober 1990 setzte sich auch die Landesregierung Baden-Würt­temberg dafür ein, die Nellingen Barracks und die Esslinger Funkerkaserne vorrangig freizugeben. Der in­termini­ste­riel­le Aus­schuss für Unterbringungs- und Liegen­schaftsfragen der Streit­kräfte (IMA) teilte diese Wünsche dem Bundesverteidigungs­mi­ni­ster mit. Alles blickte nun auf die Haushaltsberatun­gen in den USA als si­cherer Fingerzeig für die Zukunft. Einen Monat später vertrat Bundestagsabgeordneter Hauser öffentlich die Mei­nung, dass Nellingen Barracks bin­nen zwei Jahren geräumt sei. Kurz darauf, am 18. Sep­tember 1990, erhielt Ober­bürgermeister Koch ein Schreiben General McFarlins über­reicht, worin der Komman­dant der Nellingen Barracks die teilweise Räumung des Ka­sernengeländes in den kommenden Jahren in Aussicht stellte. Nach der Einschätzung des Stadtoberhaupts würde dies "unsere Stadtgeschichte wesentlich verändern". Zunächst war aller­dings lediglich ein Abzug bis zum Jahr 1998 vorgesehen, der zu­dem das "Family Housing"-Areal im süd­lichen Anschluss an die Parksiedlung ausspa­ren sollte. Von den ge­samten 141 ha sollten diesen Planungen zufolge nur 90 ha frei wer­den. Im Juni 1991 war im Ostfilderner Rathaus noch immer nicht bekannt, wann das Kasernenge­lände vollständig geräumt sein würde. Der Beginn des Abzugs sollte Ende 1992 er­folgen, so ver­mu­tete man. Alle Erwartungen wurden jedoch bald übertroffen, denn An­fang Juli 1991 stand der 1. November 1992 als Termin für die voll­ständige Freigabe des Nellinger Kaser­nengeländes in der Zeitung.

 

Auf Grund der Weltpolitischen Veränderungen verließen die Amerikaner die Nellinger Barracks am
3. November 1992. Von ca. 1969 an war das 2d Support Command unter der Führung des 7.Corps hier stationiert. Letzter Kommandeur der 2d Support Command war Brigade General Robert P. McFarlin.

 

 

 

 

 

Am 8. November 1990 wurde diese Einheit nach Saudi-Arabien entsendet, ihre Aufgabe war es, innerhalb des 7.Corps, den Einheiten Nachschub zu liefern, Wartungsarbeiten, Transport und logistische Unterstützung zu geben. Am 26. April 1991 kehrte das 2d Support Command siegreich aus Saudi-Arabien nach Nellingen zurück. Am 9. Juli 1991 fand der Kommandowechsel statt. " Change of Command ".

 

 

 

 

BG McFarlin übergab das Kommando nun an Colonel John J. Tarpley, dem letzten Kommandeur der Nellinger Barracks.

In den Nellingen Barracks tauschte man das Militärgerät mit Besen. Schilder wurden abgeschraubt, Hausrat auf Flohmärkten angeboten, Mobiliar abtransportiert. Es herrschte Aufbruchstimmung. Am 3. November 1992 war es dann endgültig soweit. Mit der Einholung der amerikanischen Flagge und der symbolischen Schlüsselüber­gabe an den Rechtsnachfolger Bundesrepublik Deutschland endete die Ge­schichte der ameri­kanischen Kaserne auf dem Gelände des er­wei­terten Scharn­hauser Parks im Herzen Ostfil­derns. Den Schlüssel hatten nun einmal mehr "Fremde" in der Hand. Mit der Überreichung der letzten ameri­kanischen Flagge an Oberbürger­meister Koch brachten die schei­denden Soldaten jedoch nicht nur ihre Freund­schaft mit den unmittelbaren Nachbarn zum Ausdruck, sondern signa­lisierten zugleich, wer als Nachfolger der ameri­kani­schen Streitkräfte zukünftig das Sagen auf dem Kaser­nengelände haben sollte: die Stadt Ostfildern.

Die US Army übergab die Kaserne an die Stadt Ostfildern, dem Haus Württemberg und der Baden-Württembergischen

Landesregierung zurück. Im Jahr 1996 wurden fast alle Gebäude der Nellinger Kaserne abgerissen bis auf die alten

Fachwerkgebäude der ersten Kommandantur von 1937. Hier hatte der General seinen Sitz

Die Wohngebäude (Housing Area) wurden saniert und ab ca. Mai 1994 an die Zivilbevölkerung vermietet. Es entsteht bis zum heutigen Zeitpunkt ein neuer eigener Stadtteil, der " Scharnhauser Park ". Einkaufsgeschäfte, Firmen, Gaststätten stehen nun hier wo einst die Army Ihren Sitz hatte.



Bild Quelle:Amerikanische Nutzung 1990 Text Copyright FB III pLanung


Bild Quelle:Stadt Ostfildern

 

Hier zwei sensationelle Photos die sehr schwer zu bekommen waren. Links eine Luftaufnahme der Nellingen Barracks in Amerikanischer Nutzung aus dem Jahr 1990. Oben im Norden die Housing Area, im Süden die Kommandantur-Gebäude, im Westen Mannschaftsunterkünfte, im Osten Motorpools und Hangar mit U.S. Army Fluggelände. Rechts eine Aufnahme Ende der 90er Jahre, dem heutigen Stadtteil "Scharnhauser Park". Dort wo früher die Kaserne stand. Das Areal ist 140 Hektar groß. Nach dem Truppenabzug der Army 1992 und dem Abriss der meisten Kasernen-Gebäude Mitte der 90er Jahre entstand und entsteht ein komplett neuer Stadtteil .In das Foto wurde die städtebauliche Struktur als Fotomontage eingefügt wie er zum Teil schon aussieht und in Zukunft geplant ist. Im Zentrum die "Landschaftstreppe", ein über ein Kilometer langer öffentlicher Grünstreifen mit Blick auf die Schwäbische Alb. Im Hintergrund das Neckartal. Davor im Norden die immer noch existierende, renovierte Housing Area, im Süden die modernisierten Häuser der alten Kommandantur, der Rest des Geländes wurde und wird bebaut mit Schulen, Gewerbe, Einkaufszentrum, Stadthaus, Sportanlagen, Kindergärten. Der Scharnhauser Park soll eines Tages 2500 Arbeitsplätze haben und ca. 9000 Menschen werden hier leben.

 

Quelle:

Bender, Jochen: Kein Zutritt. Die Geschichte des Scharnhauser Parks vom Schlössle zur Kaserne.

Ostfildern, 2. Aufl. 1994. (Schriftenreihe des Stadtarchivs Ostfildern, Bd. 1).

www.stadtarchiv.ostfildern.de

 

 


Die Hubschrauber der in Nellingen stationierten Einheiten waren folgenden Typs:

 

·  4 UH - 1H

·  15 UH - 60A

·  OH - 58C

·  H - 34 A´s

·  H - 19 Ds

·  CH - 37

·  H - 13

Typen:

SIKORSKY, APACHE, BLACK HAWK, KOBRA

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Hangar 1955
Bild Quelle: Richard Johnson


Alle US - Army Installationen die im Großraum Stuttgart waren
oder zum Teil noch sind.....Base closed
*

  1. Aldinger Strasse Housing *
  2. Property Disposal Office *
  3. Böblingen Rifle Range
  4. Robinson Barracks
  5. Böblingen Ammunition Facility
  6. Robinson Housing (Stgt. Zuffenhausen)
  7. Coffey Barracks*
  8. Ludwigsburg Army Airfield*
  9. Stuttgart Golf Club*
  10. Echterdingen Army Airfield
  11. Nellingen Kaserne*
  12. Pattonville Housing * (Ludwigsburg)
  13. Wilkin Barracks *
  14. Karls Kaserne *
  15. POL Storage Area *
  16. Stuttgarter Strasse Housing *

 

  1. Flak Kaserne * (Ludwigsburg)
  2. Ludwigsburg Commissary*
  3. US Army Maintenance Plant *
  4. Funker Kaserne * (Esslingen)
  5. Osterholz Storage *
  6. Grenadier Housing* (Stgt. Zuffenhausen)
  7. Panzer Kaserne (Böblingen)
  8. Valdez Kaserne *
  9. Grenadier Kaserne * (Stgt. Zuffenhausen)
  10. Patch Barracks (Stgt. Vaihingen)
  11. Wallace Barracks * (Stgt. Hallschlag)
  12. Jägerhaus Rifle Range * (Esslingen)
  13. Krabbenloch Kaserne*
  14. Ludendorff Kaserne* (Ludwigsburg)
  15. Kelley Barracks (Stgt. Möhringen)
  16. Bad Cannstatt Army Hospital


Luftbildaufnahme Nellingen Kaserne 1955